Gelungene Synthese aus Lesung und Musik

Ein Konzert der besonderen Art erlebten die Besucher am Sonntag in der voll besetzten Altranstädter Kirche.

Altranstädt. Wer kennt ihn nicht, den "Kleinen Prinzen" von Antoine de Saint-Exupéry? Den kleinen Kerl mit den weizenblonden Haaren auf seinem Mini-Planeten, dessen Konterfei hierzulande mittlerweile Brottaschen, Trinkflaschen und Poesiealben ziert? Der 1900 in Frankreich geborene Pilot und Schriftsteller Saint-Exupéry schrieb "Der Kleine Prinz" 1943. Die märchenhafte Geschichte erzählt dessen Reise von Planet zu Planet auf der Suche nach einem Freund, karikiert auf ironisch-amüsante Art menschliche Schwächen und Attitüden und hat damit auch nach fast sechzig Jahren nichts von seiner Aktualität verloren. Das Ensemble "Choraphon" stellte nun am Sonntag in der Kirche zu Altranstädt seine eigene Version des "Kleinen Prinzen" vor - ein Programm, das zum diesjährigen Kirchentag in Frankfurt/Main ein großer Erfolg war. Die Musikstudenten Karl-Alexander Kaiser (Orgel), Matthias Strauch (Saxophon) und Krishn Kypke (Sprecher) erzählen die Geschichte in einer gelungenen Synthese aus Lesung und Musik. Kypke sitzt im Altarraum und liest mit warmer Stimme Passagen aus dem Buch. Neben ihm werden Saint-Exupérys Original-Illustrationen auf eine Leinwand projiziert, die Kirchendecke scheint in ein Meer aus Sternen getaucht. Die Illusion ist perfekt - die Zuhörer begeben sich mit auf die Reise des kleinen Prinzen. Die von den Studenten selbst komponierte Musik fängt die Poesie des Textes auf wunderbare Weise ein und transportiert sie auf zumeist leisen, besinnlichen Melodiebögen. Das Zusammenspiel von Orgel und Saxophon auf der Orgelempore klappt perfekt. Dabei ist die Musik so subtil und vielschichtig wie die literarische Vorlage: Mal intonieren Sax und Orgel ein unschuldiges kleines Lied, dann wieder tönt das rauchig-zarte Sax voller Melancholie, erinnert die Orgel an anderer Stelle an liturgischen Gesang; schließlich kommt das Sax gar jazzig-schrill daher. Als sich im Finale das Saxophon zuversichtlich jubelnd in die Höhe schwingt, glänzen die Augen der Zuhärer. "Choraphon" entlässt sein Publikum nach einer guten Stunde mit der Erkenntnis des kleinen Prinzen: "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."

Birgit Hendrich

(Kleine Leipziger Volkszeitung, 06.11.2001)